Zusatzluftfeder (ZLF) im Wohnmobil selbst einbauen

Der Einbau einer Zusatzluftfeder im Wohnmobil (in dem Fall hier ein Kastenwagen) bietet viele Vorteile. Wer sich den Einbau selbst zutraut, der kann diese Aufgabe mit relativ einfachen Mitteln selbst vornehmen. Eine gute Planung ist hier – wie so oft – die beste Voraussetzung für einen erfolgreichen Umbau.

Vor (links) und nach dem Umbau (rechts). Der Unterschied macht sich beim Fahren sofort bemerkbar.

Wohnmobile – in dem Fall hier ein Kastenwagen – sind in der Regel mit 3,2 bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht zugelassen. Kein Problem, sollte man denken. Aber die Realität sieht anders aus. Normalerweise wird der typische Kastenwagen im Durchschnitt höchstens zu 50% voll belastet bewegt. Zumindest wenn man die Leerfahrten mit einberechnet. Anders hingegen bei Wohnmobilen. Durch zahlreiche Einbauten und das zu geladene Gepäck bewegt sich das typische Wohnmobil fast immer an der oberen Grenze der maximal zulässigen Beladung. Zahlreiche Beiträge in den üblichen Foren beschäftigen sich regelmäßig mit diesem Thema.

Standardmäßig besteht die Federung der Hinterachse aus einer Blattfeder mit einen zusätzlichen Gummipuffer. Bedingt durch das relativ hohe Gewicht (Wohnmobil Ausbau) ist die Blattfeder praktisch immer voll belastet und liegt auf dem Gummipuffer bereits auf. Damit sind die möglichen Reserven der Federung fast aufgebraucht. Das macht sich in Aufschlägen beim Durchfahren unebener Straßen und in einer hecklastigen Schräglage bemerkbar. Zusätzlich sorgt die Schräglage noch zu einen deutlich verschlechterten Bremsverhalten.

Ich selbst habe mich für den Einbau für die Zusatzluftfeder von Goldschmitt (Vertrieb über https://www.caravantechnik.de) entschieden. Die Lieferung war perfekt, alle Teile haben auf Anhieb gepasst und der Support am Telefon war wirklich geduldig mit mir.

ZLF mit oder ohne Kopressor?

Sicher – eine Zusatzluftfeder ist nicht unbedingt ein Schnäppchen. Dementsprechend oft taucht in den einschlägigen Foren immer wieder die Frage nach dem Sinn eines eigenen Kompressor auf. Schließlich wäre die Anlage in der einfachsten Ausführung (ohne Kompressor) um einiges preiswerter. Aber wenn ihr die Ausführung mit Kompressor bestellt, dann könnt ihr die Zusatzluftfeder auch zum Ausgleichen des Wohnmobils auf Stellplätzen verwenden und müsst zum Nachpumpen nicht immer erst an eine Tankstelle fahren. Mein Tipp: Leistet euch das Komplettpaket mit eigenen Kompressor – ihr werdet es sicher nicht bereuen.

Benötigte Werkzeuge und Materialien

Für den Einbau der Zusatzluftfeder benötigt ihr nur wenige Werkzeuge. Bitte lest auf jeden Fall zuerst den gesamten Beitrag da die Verwendung des Seils eine besondere Bedeutung hat. In dem Beitrag hier erfolgt der Umbau mit dem Original Wagenheber wobei auf jeweils einer Seite das Rad abgenommen der Umbau abgeschlossen und das Rad wieder angesetzt wird.

  • Hammer, Meißel: Lösen des Gummipuffer
  • 13’er Maulschlüssel: Ausrichten der Auflageplatte
  • 22èr Ringschlüssel, 22’er Nuss, Drehmomentschlüssel (langer Arm!): Lösen und Befestigen der Federbiden
  • Drahtbürste: Reinigen der Auflagefläche
  • Starkes Seil zum Arretieren/Ausrichten der Achse
  • Cutter oder Teppichmesser zum Schneiden der Luftleitungen
  • Wasserfester Stift oder Kreide zum Markieren der Position der Achse an der Blattfeder
  • 15 Meter Wellrohr geschlitzt Durchmesser 10/13mm zum Schutz der Luftleitung am Unterboden
  • Kabelbinder zum Befestigen der Luftleitung am Unterboden
  • Metallbohrer 16mm (besser: Kegelbohrer) für die Kabeldurchführung in den Trittkasten
  • Silikon oder (besser: Sika) zum Abdichten der Kabeldurchführung am Trittkasten
  • Leckfinder Spray
Die  Beschreibung des Umbau erfolgt selbstverständlich ohne 
jede Gewähr und ohne die Übernahme jedweder Haftung. 

Einbauplatz für den Kompressor finden

Vor dem Beginn der Arbeiten solltet ihr euch den Einbauplatz für den Kompressor aussuchen. Als Einbauplatz eignen sich:

  • Im Motorraum (rechts über dem Filter)
  • Im Trittkasten (Sehr eng, geht nicht wenn der Anschluss der Luftleitung am Kompressor seitlich abgeht)
  • Unter dem Fahrersitz (Nur möglich wenn dort max. eine Batterie verbaut ist). Diese Variante habe ich hier gewählt.
  • Im Stauraum in den Möbeln/Schränken hinten unter dem Bett

Austausch der alten Gummipuffer

Als Erstes sollten die beiden Federbälge vorbereitet werden. An der Unterseite wird das Eckstück für den Luftanschluss angeschraubt (Handfest) und die beiden Muttern zur Arretierung der Grundplatte werden gelöst. Dieser Schritt ist wichtig, damit die Bälge mit ihrer Auflage korrekt auf der Blattfeder ausgerichtet werden können.

Um den Balg später besser eindrehen zu können, empfehle ich das Zusammenbinden mit einen Draht oder Bindfaden.

Jetzt werden die alten Gummipuffer entfernt. Optimalerweise steht das Wohnmobil dafür über einer Grube. Alternativ ist auch das Arbeiten mit dem Wagenheber möglich. Das Lösen der Puffer und der Einbau der Einbau der Bälge ist komplett von vorne möglich. Es ist also nicht erforderlich, sich dazu unter den Wagen zu legen. Um ganz sicher zu gehen, habe ich unter die angehobene Achse das Reserverad gelegt so das im Notfall ein Aufsetzen des Wagens auf dem Boden ausgeschlossen ist. Nach dem Aufbocken mit Wagenheber (hier mit dem Original Wagenheber) wurde zuerst das Rad von der Nabe gelöst. Diese Aufgabe sollte jeder vom obligatorischen Reifenwechsel her kennen. Im Bild unten links ist der nun frei hängende Gummipuffer gut zu sehen. Der Puffer ist am Rahmen lediglich mit einem Gewinde befestigt. Das Lösen erfolgt mit einigen leichten Schlägen mit einen Meißel in die Kerben der Scheibe am oberen Ende. Dazu ist keine Gewalt notwendig, ein leichter Schlag reicht in der Regel vollkommen aus. Anschließend kann der Puffer mit der Hand herausgedreht werden.

Vor dem Lösen der Federbiden (die beiden Bügel zur Befestigung der Grundplatte, 22’er Schlüssel) solltet ihr euch die Position der Achse an der Blattfeder markieren. Nach dem Lösen der Federbiden ist die Achse nicht mehr an der Blattfeder fixiert. In Folge davon wird sie von dem Dämpferelement (linkes Bild unten) ca. 1.2 cm nach hinten gezogen. Eine Option wäre, vorher das Federelement zu lösen. Alternativ kann die Achse auch mit einem kräftigen Seil an ihre alte Position gezogen werden. Dazu wird das Seil in einer Schlaufe von der Achse zur Halterung der Blattfeder gespannt und so lange mit einem Schraubenschlüssel verdreht, bis die Achse sich wieder an ihrer ursprünglichen Position befindet. Achtung – nur stabile Materialien verwenden, da das Seil dann einer hohen Spannung ausgesetzt ist.

Nach dem Entfernen der alten Grundplatte die Auflage kurz mit der Drahtbürste reinigen (Achtung – nicht die zuvor gesetzte Markierung entfernen). Dann einfach den Gummipuffer bis zum Anschlag einschrauben und die Grundplatte ausrichten. Auf alle Fälle anhand der Markierung überprüfen, dass sich die Achse auch wirklich an ihrer alten Position befindet. Sobald sich die Achse wieder an ihrer ursprünglichen Position befindet, kann diese mit dem Festziehen der beiden Bügel arretiert werden. Dabei muss darauf geachtet werden, dass der Luftbalg senkrecht herunterhängt. Das Drehmoment zum Anziehen der Federbügel wird der beiliegenden Gebrauchsanweisung entnommen. In meinen Fall waren es 130 Nm.

Zum Abschluss die Grundplatte am Luftbalg mit dem 13′ Schlüssel arretieren (linkes Bild). Im rechten Bild ist der neue Luftbalg im Vergleich zu dem alten Gummipuffer zu sehen.

Jetzt kann das Rad wieder eingebaut werden. Wagenheber raus – und die gleiche Prozedur auf der anderen Seite durchführen.

Verlegen der Leitungen und Einbau des Kompressor

Jetzt werden die beiliegenden Luftschläuche verlegt. Zum Anschließen werden sie einfach mit leichten Druck bis zum Anschlag in die Anschluss Stücke eingeschoben. Dann am Unterboden leicht anhängen – am besten immer entlang der Aufhängung von anderen Kabeln oder Leitungen (Achtung! Niemals an einer Bremsleitung befestigen – darauf achtet der TÜV bei der Abnahme ganz besonders.) Zum Schneiden der Luftleitung reicht ein einfacher Cutter oder ein Teppichmesser aus. Wichtig ist nur, dass der Schnitt gerade erfolgt und die Leitung niemals geknickt oder gestaucht wird.

Für den Einbau des Kompressor unter dem Fahrersitz muss die Verkleidung der Trittstufe und des Sitzkasten entfernt werden. Wer sich den Selbsteinbau zutraut, der war in der Regel auch hier schon wegen anderen Umbauten unterwegs und sollte damit kein Problem haben.

Im mittleren Bild ist die Durchführung der Leitungen in den Trittkasten zu sehen. Mit den beiden T-Stücken wird nach oben zum Kompressor verzweigt. Hier nicht vergessen, die beiden Rückschlagventile einzubauen (Einbaurichtung ist aufgedruckt). Den Kompressor selbst habe ich aktuell nur lose in den Sitzkasten gestellt – er kann wegen anderer Kabel nicht verrutschen. Anschließend wird der Kompressor mit dem beiliegenden Sicherungshalter noch an den Stromkreis angeschlossen. Die nächste Möglichkeit für ein Plus ist der direkt daneben liegende Batteriekasten. Das hat den Vorteil, das der Kompressor auch bei ausgeschalteter Zündung verwendet werden kann.

Die Luftleitung wird unter der Seitenverkleidung rechts nach oben in das Armaturenbrett verlegt.

Einbau der Manometerblende

Die beiden Manometer werden am besten vorher schon in die beiliegende Manometerblende eingebaut und mit kurzen Schlauchstücken mit den Adaptern (jeweils 1x Eingang, 2x Ausgang) zusammen gesteckt. An der Ablagemulde wird der Boden entfernt und die nun offene Mulde dann von der Manometerblende abgedeckt.

Abschluss der Arbeiten

Zum Abschluss der Arbeiten am besten das System gut aufpumpen und mit Lecksuchspray alle gesteckten Verbindungen der Luftleitungen kontrollieren. Eine ausgiebige Probefahrt als Belastungstest sollte jetzt auf jeden Fall noch erfolgen. Wenn dann alles ok ist – steht einer Abnahme durch den TÜV (ca. 40-50€) nichts im Wege. Dazu aber unbedingt die beiliegenden Unterlagen (Teilgutachten) mitnehmen. Jetzt muss nur noch der bescheinigte Umbau im Fahrzeugschein (Bürgeramt) eingetragen werden.

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