Schottland – kreuz und quer mit Wohnmobil

Endlich ist sie fertig, der Rückblick auf unsere Schottland Tour. Die war durch und durch von Überraschungen geprägt. Angefangen von unserer kurzfristigen Entscheidung bis zum Umwerfen der geplanten Route. Wie ihr an der gefahrenen Route seht, haben wir auch einige Landesteile komplett ausgelassen. Die haben wir uns für unsere nächste Schottland Tour aufgehoben …

1: Edinburgh
2: Deanston Destillery
3: Falls of Dochart
4: Aberfeldy
5: CairnGorm Mountain
6: Collieston Beach
7: Cruden Bay, Slains Castle
8: Bullers o‘ Buchan
9: Fraserbourgh
10: Pennan, Cullykhan Bay

11: Strathisla Distillery
12: Inverness
13: Strathpepper
14: Corrieshalloch Gorge
15: Ullapool
16: Ardvreck Castle
17: Achmelvich Bay
18: Stoer Lighthouse
19: Balnakail Beach, Durness, Smoo Cave
20: Loch Eriboll (Lost Place)

21: Falls of Shin
22: Loch Maree, Victoria Falls, Inverewe Garden
23: Loch Ness
24: Eilean Donan Castle
25: Prttree, Tallisker Destillery
26: The Storr
27: Commando Memorial
28: Glenfinan Monument
29: Kinlochleven 
30: Glasgow

Das wir unsere geplante Route relativ bald umgeworfen haben, verdanken wir dem Buch Wild Guide Scotland: Hidden Places, Great Adventures & the Good Life. Gefunden haben wir es in einen unscheinbaren Bookshop einer kleinen Stadt. Der Reiseführer ist in englischer Sprache verfügbar und enthält eine Sammlung von Fotos magischer Orte an denen man – wenn man die Fotos erst einmal gesehen hat – unbedingt gewesen sein will. Dazu gibt es eine kurze Beschreibung, den dazu gehörigen Ausschnitt auf einer Landkarte und last but not least die exakten GPS Koordinaten. Wow! Genau darauf hat man schon immer gewartet. Schaut mal bei Amazon vorbei. Auf der Webseite könnt ihr einen virtuellen Blick in das Buch werfen – das war genau das, was wir gebraucht haben.

Anreise

Auch wenn England eine Insel ist – die Möglichkeiten der Anreise sind relativ vielfältig. Zuerst müsst ihr Euch klar werden ob ihr mit dem eigenen Wohnmobil fahren oder drüben eines mieten wollt. Aus Erfahrung würde ich jederzeit die Benutzung des eigenen Wohnmobils empfehlen. An das Lenkrad auf der ‘falschen’ Seite (wie ihr wisst wird in England auf der linken Seite gefahren) hat man sich schnell gewöhnt. Und die berühmte Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Schotten hört auf der Kreuzung nicht auf. Ihr könnt alle Eure Siebensachen am gewohnten Platz verstauen und bleibt vor allem vor Überraschungen bei der Übergabe verschont. Bei unseren ersten Besuch in England waren wir sogar mit einen in Deutschland gemieteten Wohnmobil unterwegs – und wir haben es nicht bereut.

Aber zur Anreise. Dabei stehen euch verschiedene Optionen zur Verfügung:

Für Flexible und England Genießer: Ihr startet von Frankreich und habt die Wahl zwischen dem Eurotunnel und der Fähre. Ich persönlich bevorzuge immer die Fähre – sich den Klippen bei Dover zu nähern ist einfach ein Erlebnis für sich. Die bekanntesten Routen werden zwischen Calais (Frankreich) bzw. Dünkirchen (Frankreich) und Dover (England) betrieben. Damit befindet ihr euch allerdings am südlichen Ende von England und habt anschließend noch einen ganzen Tag Fahrt (750 Kilometer) durch England vor Euch. Vorteile: Ihr müsst die Fähre nicht unbedingt vorher Buchen und ihr seid flexibel in der Reiseplanung, also vor allem auch eine Möglichkeit für kurzentschlossene. Wer allerdings den Tunnel nutzen möchte, der sollte sich auf jeden Fall schon ausreichend vorher um einen Platz auf dem Zug kümmern.

Für Planer und gezielt Reisende: Wen ihr möglichst direkt an euer Ziel gelangen möchtet, dann ist für euch die bekannteste große Fährverbindung von Amsterdam (Holland) nach Newcastle von Interesse. Nach der Ankunft in Newcastle stehen euch bis Edinburgh nur noch 190 Kilometer bevor. Vorteil: Ihr könnt eine Fähre über Nacht wählen und spart praktisch einen Tag Reisezeit. Gegenüber der ersten Variante ist das natürlich ein gewaltiger Vorteil. Aber wo Licht ist, da ist auch Schatten. Ihr müsst relativ langfristig vorher Buchen und ihr könnt bei einer (nicht überraschenden) Schlechtwetterfront über Schottland nicht einfach eurer Reiseziel ändern. Ganz davon abgesehen das die relativ lange Überfahrt bei stürmischer See nicht unbedingt jedermanns Sache ist.

Reisezeit

Die beste Reisezeit für Schottland: wer sich an den regenfreien Tagen orientieren möchte, für den sind die Monate April, Mai, Juni und Juli am interessantesten. Im Hinblick auf die alljährlichen Wetterschwankungen würde ich in dem Zeitraum zwischen 9 und 13 Regentagen kalkulieren was aber auch zwischen Ost- und Westküste starken Schwankungen unterliegen kann. Die Temperaturen hingegen sind mit 17-19 Grad in den Monaten Juni, Juli und August am höchsten. Generell kann man sagen: wer sich nicht auf einen Regenguss einstellen kann, der sollte auch nicht nach Schottland fahren. Ein für unsere Verhältnisse rauher Sommer mit einigen Regentagen ist nun mal typisch für Schottland. Genau das ist es aber auch was im Wohnmobil Spaß macht – immer die richtige Bekleidung dabei und auch im Sommer eine Regenjacke immer griffbereit.

Übernachten

Schottland gilt als das Paradies für Wildcamper schlechthin. Man darf mit dem Wohnmobil praktisch überall frei stehen wo es nicht ausdrücklich verboten ist. Das betrifft vor allem Städte und Besucherzentren in denen man immer einen Blick auf die lokal ausgeschriebenen Bedingungen für das Parken werfen sollte. An sonst hat man eher das Problem eine Stelle zu finden wo man nicht übernachten möchte – in den weitläufigen Landschaften von Schottland findet praktisch immer eine schöne Stelle zum Übernachten. In diesen Punkt ist die Reiseplanung also relativ einfach. Einziger Wehmutstropfen können im Landesinneren die berüchtigten Midges werden. Das sind winzig kleine Mücken die nicht wie unsere Mücken stechen, sondern beißen. Das dabei freigesetzte Histamin erzeugt auf der Haut einen unangenehmen Juckreiz der auf die Dauer unangenehm ist. Die Bister sind so klein, das sie durch unsere Mückenschutzgitter einfach hindurch fliegen und gerade in der Abenddämmerung im Handumdrehen das gesamte Wohnmobil erobern können.

Was kann man gegen die Midges tun? Zum einen kann man sich etwas Informieren. Auf einer Webseite mit einer Mückenvorhersage werden die Orte genannt, die gerade mehr oder weniger stark von Midges betroffen sind. Des weiteren gibt es verschiedene Mittel zur äußeren Anwendung welche uns für die Midges unattraktiv machen sollen – Schottland Kenner schwören darauf. Oder man ändert als letztes Mittel einfach die Reiseroute. Wir haben uns kurzerhand für eine Verlegung der Reiseroute an die Küstenline (hier ist es für die kleinen Biester zu windig) entschieden was in Anbetracht der wilden schottischen Küstenlandschaften auch eine gute Entscheidung war.

Tanken und Maut

Tanken in Schottland ist nicht anders als im restlichen England auch. Die Preise sind an allen Tankstellen generell ziemlich gleich. Eine Ausnahme bilden verschiedene großen Supermärkte, bei denen an einer direkt angeschlossenen Tankstelle ein deutlich günstigerer Preis angeboten wird. Die Tankstellen Dichte ist nicht ganz so hoch wie wir es hier in Deutschland gewohnt sind. Auch oben im Norden ist die Versorgung mit Treibstoff gesichert – aber aufgrund der geringeren Besiedelung macht vorausschauendes Tanken auf jeden Fall Sinn.

Die Straßen von England sind bis auf Ausnahmen Mautfrei. Eine Ausnahme bilden bestimme Brücken und Tunnel, so zum Beispiel der Dartford Tunnel, den man beim Umfahren von London kaum vermeiden kann. Die Maut dafür (ca. 2,50 €) muss im Voraus oder bis Mitternacht des gleichen Tages entrichtet werden. Die Kennzeichen werden permanent per Kamera erfasst so das bei versäumter Zahlung spätestens 3 Wochen nach dem Urlaub Post in das Haus flattert. Das kann dann bis zu 40 € kosten was natürlich keine schöne Urlaubserinnerung mehr ist. Über die wenigen Mautstellen und die aktuellen Zahlungsmodalitäten stellt der ADAC auf seiner Webseite jeweils aktuelle Informationen zur Verfügung.

Essen / Einkaufen

Die Preise in Schottland sind die gleichen wie im übrigen England auch. Das die großen Supermärkte generell etwas preisgünstiger sind als Tante Emma Läden, das versteht sich von selbst und oben im Norden ist das Angebot logischerweise nicht ganz so üppig wie in den dichter besiedelten Gegenden. Man muss die Reise also nicht wirklich mit speziellen Vorräten ausgerüstet antreten. Wer Schottland besonders Hautnah erleben möchte – der sollte unbedingt auch Essen gehen. Die bekanntesten schottischen Gerichte sind Black Pudding (eine Wurst aus Blut und Haferkorn) und Haggis (Lungen, Magen und anderen Innereien pikant gewürzt und in einem Schafsmagen gekocht). Danach hört die schottische Küche aber noch lange nicht auf und Gerichte wie Cullen Skink (Schellfischsuppe) und Steamed Shetland Mussels (gegarte Muscheln) sind typisch schottische Gerichte. Wem die Zeit zum Essen gehen zu Aufwendig ist – für den tun es sicher auch Fish’n Ships am Kiosk in die Hand.

Ver/Entsorgung

Ver- und Entsorgung für Wohnmobile ist in Schottland relativ einfach geregelt. Eine Möglichkeit zum Entsorgen hat man auf praktisch allen Campingplätzen. Freie Entsorgungsstellen wie wir sie im restlichen Europa kennen gibt es praktisch nicht bzw. sehr selten. Das Entsorgen in den zahlreichen öffentlichen Toiletten wird nicht gerne gesehen und sollte auf jeden Fall vermieden werden. Das Betanken mit Frischwasser hingegen ist kein Problem. Die Schotten sind sehr hilfsbereit und gegen Nachfrage hat fast kein Tankwart etwas dagegen, wenn nach dem Tanken der Schlauch kurz an einen Wasserhahn der Tankstelle angeschlossen wird.

Straßen

Die Straßen in Schottland können sehr eng werden. Das trifft vor allem oben im Norden zu. Mit unseren Kastenwagen haben wir ohne Probleme auch die entlegensten Winkel erkunden können. Mit einem breiteren und längeren Wohnmobil hingegen hätten wir da auf jeden Fall schon eher ein Problem gehabt. Am Ende muss das jeder mit seinen Fahrkünsten für sich selbst entscheiden. Ihr müsst aber wissen, das man auf einigen Straßen nicht mehr ohne weiteres wenden kann. Das kann mit einen großen Camper eine echte Herausforderung werden. Auf vielen engen Straßen befinden sich in regelmäßigen Abständen ausgeschilderte Passing Places an denen ein gezieltes Ausweichen ermöglicht wird. Hier haben wir von Einheimischen immer wieder irritierte Blicke geerntet da ich aus Gewohnheit den Passing Place der falschen Straßenseite angefahren habe.

Mit dem Wohnmobil fährt man in der Regel eine geringere Geschwindigkeit als der restliche Verkehr. Das hat zur Folge, das sich hinter dem Wohnmobil schnell eine Schlange nachfolgender Fahrzeuge bilden kann. Wir sind in dem Fall immer kurz links an den Straßenrand gefahren und haben dem nachfolgenden Verkehr die Möglichkeit zum Überholen gegeben. Die überholenden werden sich fast immer dankbar zeigen was in Form von kurzen Blinken oder dankenden Handzeichen sichtbar wird.

Quelle des Header Kartenausschnittes: www.openstreetmap.org

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